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Fraunhofer eröffnet Standort im Technologiehof Münster

[16.04.2012, Technologieförderung Münster GmbH, ]

In Münster hat sich ein zweites Fraunhofer-Institut angesiedelt: Das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik (IBMT) mit Sitz im saarländischen St. Ingbert und Standorten in Sulzbach/Saar und Potsdam-Golm eröffnet eine Vertretung in Münster. Das Fraunhofer IBMT zieht in den Technologiehof und ist vom Umweltbundesamt mit der Sammlung und Archivierung menschlicher Blut- und Urinproben für die Umweltprobenbank des Bundes beauftragt.

Über diese Humanproben wird die Belastung des Menschen durch Umweltschadstoffe über Jahre hin untersucht. Dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) dienen die Proben als wichtige wissenschaftliche Grundlage, um Maßnahmen im Umwelt- und Naturschutz ergreifen zu können.

„Wir sind stolz darauf, dass wir der Fraunhofer-Gesellschaft am Wissenschaftsstandort Münster exzellente Rahmenbedingungen bieten können. Sie ist die größte Organisation für anwendungsorientierte Forschung in Europa“, betont Matthias Günnewig, Geschäftsleiter der Technologieförderung Münster GmbH. Sie hat dem Fraunhofer IBMT den Standort im Technologiehof Münster vermittelt.

„Münster ist ein renommierter Wissenschaftsstandort. Hier können wir uns in eine funktionierende Forschungslandschaft integrieren“, erklärt Dominik Lermen. Er ist Leiter der Arbeitsgruppe „Umweltprobenbank des Bundes – Humanproben“ am IBMT-Hauptsitz. Zukünftig wird er sich des Öfteren in Münster aufhalten, um die Aktivitäten der IBMT-Mitarbeiter vor Ort koordinieren zu können.

Platz zur Entfaltung, Potenzial für Kooperationen
In Abstimmung mit dem IBMT hat sich die Technologieförderung auch um die räumlichen und infrastrukturellen Startbedingungen des Instituts in Münster gekümmert. Die Flächen im Technologiehof bieten dem Fraunhofer IBMT vorerst den nötigen Platz zur Entfaltung. Es wird zunächst 250 Quadratmeter als Büro-, Labor- und Untersuchungsräume für das Projekt anmieten. Über kurz oder lang ist das Fraunhofer-Institut an Kooperationen mit der münsterischen Wissenschaft und Wirtschaft interessiert. Dann, so Lermen, bestünde die Möglichkeit, im Rahmen neuer Projekte weitere Mitarbeiter zu beschäftigen.

„Die unmittelbare Nähe zu wissenschaftlichen Einrichtungen und Firmen mit naturwissenschaftlichem Hintergrund hat Potenzial“, betont Lermen und nennt die Universität samt medizinischer Fakultät, das Max-Planck-Institut und die Geowissenschaften als einige von vielen möglichen wissenschaftlichen Partnern. „Der Transfer wissenschaftlicher Leistungen in die Wirtschaft ist für uns von großer Bedeutung.“

Zunächst steht die Arbeitsgruppe „Umweltprobenbank“ im Fokus. In Münster übernimmt die Einheit des Fraunhofer IBMT die Aufgaben des Universitätsklinikums Münster, das von 1980 bis 2011 für das Umweltbundesamt tätig war. In Münster sowie in Halle, Ulm und Greifswald werden Humanproben von 20- bis 29-Jährigen gewonnen und bearbeitet – jährlich sammeln die IBMT-Wissenschaftler bundesweit bis zu 13.200 Einzelproben für die für die Umweltprobenbank des Bundes.

Engagement über acht Jahre
Die größte Probenmenge wird für eine spätere retrospektive Analyse auf umweltrelevante Chemikalien und Verbindungen in kryokonservierter Form unbefristet und veränderungsfrei in der Umweltprobenbank gelagert. Regelmäßige Untersuchungen vergleichbarer Probanden – in Münster sind es vorwiegend Studierende – lässt Schadstofftrends erkennen, die für die Entwicklung gesetzlicher Maßnahmen und deren Erfolgskontrolle entscheidend sind. Zudem sind aufgrund der unbefristeten Kryolagerung rückblickende Untersuchungen oder Untersuchungen mit moderneren Messtechniken möglich. So lassen sich beispielsweise nach Jahrzehnten Substanzen in Proben nachweisen, die zur Zeit der Einlagerung nicht analysierbar oder im Fokus der Betrachtung waren.

Im münsterischen Stadtteil Wolbeck befindet sich das zentrale Archiv für Humanproben der Umweltprobenbank des Bundes. Dieses Archiv wird vom Fraunhofer IBMT zunächst für acht Jahre bis zum Jahr 2019 betreut. Eine lange Zeit, in der es Fuß fassen und – im Interesse aller Wissenschaftsakteure in Münster – die Grundlage für Kooperationen schaffen kann.

Zum Thema Umweltprobenbank
Die Umweltprobenbank des Bundes existiert als dauerhafte Einrichtung seit 1985. Sie untersucht die Belastung des Menschen und der Umwelt mit Chemikalien in verschiedenen Lebensräumen. Hierfür werden jährlich tausende von Proben bei Temperaturen des flüssigen Stickstoffs veränderungsfrei gelagert. Das Archiv dient retrospektiven Analysen zur Umweltüberwachung. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) nutzt die Proben für Maßnahmen im Umwelt- und Naturschutz sowie zur Erfolgskontrolle. Das Umweltbundesamt koordiniert die Arbeiten der Umweltprobenbank des Bundes, verwaltet die gesammelten Daten und bewertet die Ergebnisse. Neben dem Fraunhofer IBMT wird es dabei von fünf weiteren Institutionen unterstützt.

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