Technologiepark Münster GmbH

Home / Informationen / Veranstaltungen / 2008 / 11 / 2805.php

Rollen und Risiken komplexer I&K-Techniken in Wirtschaft und Gesellschaft: Zur Verantwortung von InformatikerInnen

[24.11.2008, Technologieförderung Münster GmbH, ]

Am 24.11.2008 wird Prof. Klaus Brunnstein auf Einladung der Regionalgruppe Münsterland der Gesellschaft für Informatik zu einem Vortrag nach Münster kommen. Die Veranstaltung findet im Technologiehof (Mendelstraße 11, 48149 Münster) von 18:00 - ca. 20:00 Uhr statt. Die Teilnahme ist kostenlos - eine unverbindliche Anmeldung wird erbeten: http://dbms.uni-muenster.de./gi-ms/vortrag.html

Vortragender


Professor Klaus Brunnstein wirkte aktiv am Aufbau des Studienganges Informatik in Deutschland mit und lehrte über 30 Jahre als Professor für Anwendungen der Informatik in Hamburg. Als einer der Beschwerdeführer erwirkte Brunnstein 1983 das Volkszählungsurteil, mit dem das Recht auf informationelle Selbstbestimmung in Deutschland erstmals anerkannt wurde.

Thema des Vortrags


Das Ansehen der Informatik-Profession ist nach jüngsten Studien nicht besonders attraktiv, zumal Informatikern der Ruch technik-verliebter Sonderlinge anhängt; dies muss umso mehr überraschen, als digitale Informations- und Kommunikationstechniken wesentliche Rollen in vielen Bereichen von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft spielen. Dabei scheint die Erfahrung vieler Anwender mit System- und Softwarefehlern und mit zahlreichen Berichten über Internetangriffe sowie über Datenschutzprobleme das Image der gesamten Branche erheblich zu beeinträchtigen.

Diesen negativen Erfahrungen steht aber die oft euphemistische Selbstdarstellung einschlägiger Unternehmen und exponierter Vertreter der Branche entgegen, welche Risiken gern bestreiten und die Vorzüge informatischer Produkte und Methoden ohne Analyse eventueller Risiken und Nebenwirkungen "über den grünen Klee" loben.

Der Vortrag wird an ausgewählten Beispielen analysieren, mit welchen Risiken und Nebenwirkungen der Einsatz bestimmter Informatikmethoden verbunden ist. Neben der Frage nach der Beherrschbarkeit komplexer I&K-Systeme wird an prominenten Beispielen (Konzeption und Realität von Internetprotokolls und Hypertextmethode) gezeigt, wie gutgemeinte informatische Innovation zum Risikofaktor in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft werden. Am Beispiel digitaler Wahlsysteme wird gezeigt, wie demokratische Prozesse sich unter den Bedingungen der digital organisierten Gesellschaft verändern.

Angesichts dieser (und vieler weiterer) Beispiele ist das geringe Ansehen der Informatik-Profession kaum verwunderlich; daran ändert auch das hohe Ansehen, welches einzelne InformatikerInnen - wie Joseph Weizenbaum mit seinem Standardwerk "Computer Power and Human Reason" - mit ihren Analysen für ihren kritischen Standpunkt gewonnen haben, wenig. Nur wenn die Informatik-Profession nach einer gründlichen Analyse sich neben der öffentlichen Diskussion der Chance vor allem auch der Darstellung von Risiken und Nebenwirkungen informatischer Methoden stellt, ist eine Verbesserung der geringen Akzeptanz dieses Berufsstandes möglich. Hierzu müssen vor allem die Ausbildungsstätten sowie die Selbstorganisation, hier also die Gesellschaft für Informatik verstärkt beitragen.

Weitere Informationen